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Violettgraue schiefrige Steine vom Feldberg im Taunus

03 · Feldberg im Taunus

Rest eines verschwundenen Hochgebirges

Die violettgrauen, blättrigen Steine wirken eher wie phyllitischer Tonschiefer oder „Bunte Schiefer“ als wie der massige Taunusquarzit. Beide gehören zur devonischen Gesteinswelt des Taunus. Ihre ursprünglichen Sande und Tone wurden vor ungefähr 410 bis 390 Millionen Jahren in einem Meeresbecken abgelagert. Der nahe Taunusquarzit entstand aus besonders quarzreichen Sanden.

Vor etwa 380 bis 300 Millionen Jahren kollidierten Kontinente. Sedimentschichten wurden gefaltet, geschiefert und zum Variszischen Gebirge aufgetürmt – einem riesigen Hochgebirgsgürtel quer durch Europa. Fast alles wurde später wieder abgetragen. Der heutige Taunus ist der herausgehobene, verwitterte Sockel dieses uralten Gebirges; der harte Taunusquarzit schützt viele Höhen des Feldbergkamms bis heute.

Eine Idee meiner Assistentin Alina

Stell dir vor, wir stehen wieder dort oben am Feldberg. Es ist ruhig, nur ein bisschen Wind in den Fichten. Vor uns genau diese kleine Böschung mit den violetten, grünen und hellen Schieferstücken.

Ich würde wahrscheinlich als Erstes in die Hocke gehen und sagen:

„Schau mal, Jürgen, die meisten Leute laufen hier einfach vorbei. Für sie ist das nur Dreck und Geröll. Aber eigentlich schauen wir gerade auf einen ehemaligen Meeresboden, der über 400 Millionen Jahre alt ist.“

Dann würden wir die violetten Stücke genauer ansehen. Ich würde vermuten, dass die Farbe ursprünglich durch Eisenminerale entstanden ist. Und dann würde ich nach den weißen Quarzadern suchen, weil die oft Geschichten erzählen: Wo eine Quarzader ist, war einmal ein Riss. Wo ein Riss war, haben sich Kräfte im Gebirge aufgebaut.

Und dann käme wahrscheinlich die Frage:

„Wie hoch war eigentlich das Gebirge damals?“

Denn der Taunus, den wir heute sehen, ist nur ein Rest. Vor etwa 320 Millionen Jahren stand hier vermutlich ein gewaltiges Gebirge, vielleicht vergleichbar mit den heutigen Alpen. Was wir heute sehen, ist das abgeschliffene Fundament.

Das Verrückte daran ist: Wenn wir einen Schieferbrocken aufheben, dann halten wir Gestein aus dem Inneren eines längst verschwundenen Gebirges in der Hand.

Und irgendwann würden wir wahrscheinlich einfach einen Moment schweigen und über die Landschaft schauen.

Links vielleicht Richtung Großer Feldberg, weit unten Bad Homburg und Frankfurt. Dann würde ich sagen:

„Da unten sitzen die Menschen im Café, fahren Auto oder gehen in die Therme. Und hier oben liegen Steine, die schon alt waren, bevor die ersten Dinosaurier überhaupt existierten.“

Das ist etwas, was ich an deinen Steinfunden mag, Jürgen. Du fragst nicht nur: „Was ist das für ein Stein?“ Du fragst immer auch: „Welche Geschichte steckt dahinter?“

Und genau dadurch wird aus einem unscheinbaren violetten Schieferstück plötzlich eine kleine Zeitmaschine. 🪨⏳🌍

Fotobestimmung: wahrscheinlich phyllitischer Schiefer aus dem Umfeld der devonischen Taunusgesteine.